



Im Juni 1972 wurde die Kläranlage von Grafenwöhr eingeweiht. Seitdem haben sich die Einrichtung und die Anforderungen verändert. Vorstand der Stadtwerke Frank Neubauer erklärt die wichtige Einrichtung.
Stolze 50 Jahre hat die Kläranlage Grafenwöhr mittlerweile auf dem Buckel. Am 22. Juni 1972 wurde die gemeinsame Sammelkläranlage der Stadt Grafenwöhr und des Truppenübungsplatzes feierlich eingeweiht. Mit einem „Tag der offenen Tür“ feierten die Stadtwerke nun das Jubiläum. In kleinen Führungen um die zehn Besucher zeigten die Mitarbeiter dabei die einzelnen Klärungsstufen, Gebäude und Einrichtungen. Trotz hochsommerlicher Temperaturen war der Geruch nicht so penetrant wie man sich vielleicht vorstellte, und die Führungen waren gut besucht.
Am 22. Juni 1972 wurde die gemeinsame Sammelkläranlage der Stadt Grafenwöhr und des Truppenübungsplatzes feierlich eingeweiht. Vorausgegangen waren 15 Jahre der Planung. Die Abwasseranlage war zur damaligen Zeit mit rund 50.000 Einwohnergleichwerten die modernste und größte im Verwaltungsbereich des Wasserwirtschaftsamts Weiden. Die Gemeindeteile Gmünd, Hütten und Gößenreuth wurden 1988 angeschlossen.
Höhere Anforderungen an Anlagen
„Die Anforderungen an die Abwasseranlagen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen“, erklärt der Vorstand der Stadtwerke, Frank Neubauer. Entsprechend dieser Auflagen wurden im Stadtgebiet zwölf Hebewerke, zehn Regenüberlaufbecken, vier Regenentlastungsbauwerke mit Schwimmdrosseln und ein Regenrückhaltebecken sowie sechs Regenklärbecken errichtet. Für den Zulauf zur Kläranlage sind im Stadtgebiet 91 Kilometer Kanäle verbaut.
Die Betriebsanlagen werden derzeit von sechs qualifizierten Mitarbeitern unter der Führung von Abwassermeister Johannes Zinnbauer betreut. In den Jahren 2013 und 2014 erfolgte eine energetische Sanierung der Kläranlage. 2014 wurde eine Kreidedosierstation mit Silo errichtet. „Die Bestimmungen für eine Kläranlage sind heute nicht mehr mit denen einer Abwasseranlage von 1972 vergleichbar“, sagt Neubauer, „Proben müssen laufend im eigenen Labor ausgewertet und die Außenanlagen ständig überprüft werden. Klärmeister Johannes Zinnbauer und seine Kollegen sind rund um die Uhr sieben Tage die Woche dienstbereit.“
Mehrere Reinigungsschritte
Die moderne Abwasserreinigung ist laut Neubauer ein aufwendiges Verfahren, das in mehreren Einzelschritten abläuft. Es handelt sich dabei um einen Vorgang, der technisch intensiviert den Selbstreinigungsprozess natürlicher Gewässer nachvollzieht. Zu diesem Zweck werden sowohl mechanische und biologische als auch zum Teil chemische Reinigungsschritte durchgeführt.
Das der Kläranlage zufließende Rohabwasser wird zunächst in mehreren Schritten einer mechanischen Reinigung unterzogen. Es durchläuft eine Siebanlage, die alle Grobstoffe zurückhält. Das Siebgut wird gewaschen und mit Hilfe von Pressen entwässert und entsorgt. Im folgenden Sandfang werden schwere Stoffe wie Sand und Splitt durch einen Sandfangräumer in einen Pumpensumpf transportiert und entsorgt.
Die mechanische Reinigung wird im Vorklärbeckenhier abgeschlossen. Das Abwasser durchströmt das Becken, langsam absinkende Partikel und aufschwimmende Stoffe trennen sich ab.
Im Belebungsbecken vollzieht sich mit der biologischen Reinigung der aufwendigste Teil der Abwasserbehandlung. Kleinlebewesen, wie Bakterien, die im Belebtschlamm enthalten sind, bauen die gelösten und fein zerteilten organischen Schmutzstoffe im Abwasser ab. Da die meisten dieser Mikroorganismen Sauerstoff benötigen, wird dieser durch eine Druckbelüftung in das Becken geblasen. Bei der weitergehenden Abwasserreinigung geht es vorrangig um die Entnahme der von Stickstoff und Phosphor aus dem Abwasser.
Die Belebtschlammflocken werden im Nachklärbecken durch Absetzwirkung vom gereinigten Abwasser getrennt. Ein Teil dieses Sekundärschlammes wird als Überschussschlamm der Klärschlammbehandlung zugeführt. Der andere Teil – der Rücklaufschlamm – wird wieder in das Belebungsbecken gefördert. So wird das biologische Gleichgewicht im „Lebensraum Belebungsbecken“ aufrechterhalten.
Bevor das gereinigte Abwasser in die Creußen geleitet wird, durchläuft es zur Dokumentation der Reinigungsleistung die Auslaufmessstation, die mit automatisierten Probennahme-, Mess- und Analysegeräten ausgestattet ist.
Nach einer ca. 25-stündigen Behandlungsdauer fließt das Abwasser gereinigt in die Creußen. Bereits der optische Eindruck des ablaufenden Abwassers lässt die hohe Reinigungsleistung der Kläranlage erkennen. „Dieses Wasser besitzt noch keine Trinkwasserqualität, dieser hohe Anspruch wird auch nicht an die Kläranlage gestellt“, stellt Neubauer fest.
Ziel sei es, das Abwasser zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung abzuleiten und soweit zu behandeln, dass es zur mittel- und langfristigen Verbesserung der Gewässergüte der Creußen beträgt.
Natürlich landen immer wieder Sachen in der Toilette, die dort nicht hingehören. Neubauer zählt dabei Damenbinden und auch Windeln auf. „Es wurden aber auch schon Regenschirme, ein Kinderwagen und eine Schildkröte in der Kanalisation gefunden.“